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Drei Jahre, zwei Beine, eine Idee


Martina Peukert (rechts) und Inge Barth haben in ihrem Warenhaus ein großes Angebot an Hausrat im weitesten Sinne - was eben so bei Haushaltsauflösungen zusammenkommt. Foto: WAZ, Dirk Bannert Schmökern erlaubt ist in der Bücher-Ecke des originellen Warenhauses. Foto: WAZ, Dirk Bannert 
 
"Allerhand aus zweiter Hand" gewann einen Wettbewerb und damit einen originellen Preis: eine Image-Broschüre. Inhaberinnen schilderten ihre Existenzgründung
Origineller Preis fürs originelle Warenhaus: "Allerhand aus zweiter Hand", das Second-Hand-Warenhaus an der Gladbecker Straße 282, hat jetzt einen Wettbewerb gewonnen und erhält als Preis eine Imagebroschüre. Mit ein wenig Glück könnte es mit deren Herausgabe sogar noch bis Anfang Dezember klappen - ein passendes Geschenk zum dritten Geburtstag des Unternehmens, das nicht nur Warenhaus ist, sondern - als zweites Standbein - auch Haushaltsauflösungen vornimmt.

Ein Netzwerk von Unternehmensberatern, die sich vor allem um Existenzgründer kümmern, hatte den Wettbewerb ausgeschrieben. Um anderen Mut zu machen, sollten Gründer-Betriebe ihre Geschichte aufschreiben. Inge Barth und Martina Peukert, die beiden Inhaberinnen von "Allerhand", haben das getan und ihre persönlichen Erfahrungen bei der Gründung ihrer Firma geschildert.

Gründer statt mit Geld lieber mit einer Imagebroschüre zu unterstützen, gefällt den beiden. Immerhin sei als Gegenwert ein Betrag von rund 5000 Euro anzusetzen. Martina Peukert: "Das hätten wir jetzt nicht dafür ausgeben könne." Was die zwei Frauen mehr noch als der materielle Gewinn freut: "dass so unsere Arbeit gewürdigt wird".

Die Bottroper Werbeagentur Abbenhausen "Atelier 14" vom Blankenfeld wird (als Broschüren-Ersatz) zwei Faltblätter gestalten, eines zum Thema Haushaltsauflösungen, das andere zum Verkauf im Warenhaus.

Nach fast drei Jahren sind Martina Peukert und Inge Barth immer noch von ihrer Geschäftsidee und Entschediung zum Schritt in die Selbstständigkeit überzeugt: Haushaltsauflösungen als Dienstleistungen zu betreiben und sich darüber den Warenfluss für ihr Kaufhaus zu sichern.

Sie erinnern sich daran, wie die Bank damals genau eine Woche vor der Geschäftseröffnung ihre mündliche Kreditzusage zurückgenommen habe. "Man fand unsere Idee zu innovativ für Bottrop." Dank finanzieller Hilfe durch die Familie konnten die beiden doch starten.

Martina Peukert fragt sich angesichts ihrer Erfahrung, wie viele gute Ideen wohl auf der Strecke bleiben, weil sie Banken zu innovativ seien. "Da kann die Regierung in Berlin noch so viele Programme machen: wenn die Hausbanken vor Ort nicht mitspielen, wird daraus nie etwas."

Wenn "Allerhand" auch noch keine vollen Arbeitsplätze schaffen kann: 16 Beschäftigte hat das Unternehmen doch schon, gibt Frauen und Männern über Mini- und Zusatzjobs Arbeit.

Vor einem Jahr konnte man sich auch räumlich erweitern, es gelang - im doppelten Sinne - der Durchbruch vom Hinterhof in die erste Reihe, ins Ladenlokal in guter Geschäftslage an der Gladbecker Straße. 400 qm Verkaufsfläche gibt´s jetzt. Allerhand. h.p.

"Allerhand" spendet für Osteuropa-Hilfe

Die Großgarage des Second-Hand-Warenhauses "Allerhand" quillt nahezu über: Die beiden Geschäftsführerinnen Martina Peukert und Inge Barth haben hier neben ihrem eigenen Hausrat nämlich noch jede Menge Sachspenden für die Osteuropa-Hilfsorganisation von Dr. Elisabeth Fessl de Alemany gelagert.
Seit einem Jahr gibt es schon das Second-Hand-Warenhaus an der Gladbecker Straße. Und seit eben dieser Zeit sorgen Peukert und Barth dafür, dass die "Sammelgruppe Bottrop" der Csilla von Boeselager-Stiftung viele gute Projekte mit Mobiliar und Hausrat unterstützen kann. Mittlerweile ist "Allerhand" sogar eine echte Abgabestelle für Sachspenden geworden. "Das spricht sich offensichtlich herum", meint Inge Barth.
Allerdings ist es mit Sachspenden allein nicht getan. Mehr als 700 LKW-Ladungen Hilfsgüter hat Dr. Alemany in den vergangenen 15 Jahren schon gen Osteuropa entsendet. Allein 2004 wurden mehr als fünfzig 25-Tonner "prall gefüllt mit Hausrat aller Art wie Pfannen, Bettwäsche oder jede Menge "Eiche Rustikal" " auf die Reise geschickt. Das sind beeindruckende Zahlen.
Nur: Transporte und Lagerungen müssen ja auch irgendwie finanziert werden. "Wir müssen überall sparen", sagt Alemany. Und hofft deshalb wie die "Allerhand"-Geschäftsführung auf finanzielle Unterstützung. Unzählige Hilfsprojekte in Mittel- und Osteuropa hat die 68-Jährige vorangetrieben. In zwei Tagen wird auch die Malteser Gruppe an der ukrainischen Grenze von der unermüdlichen Arbeit der Bottroperin profitieren. Hier in Tokaj wurde kürzlich eine Hilfsstation errichtet, die zwar "leer" steht, dies aber nicht mehr lang. Denn die komplette Ausstattung, von der Kaffeetasse bis zum Stuhl, wird ja gerade angeliefert. Das sind zwar keine Neuwaren " aber was hier in Deutschland aussortiert wird, ist dort von unschätzbarem Wert. "Armut hier bedeutet Jammern auf hohem Niveau im Vergleich zu dem, was Frau Alemany gesehen hat", sagt Martina Peukert, "deshalb helfen wir ihr gerne. Bei unseren Haushaltsauflösungen gibt es immer Sachen, die nicht verkauft werden können. Die lagern wir dann zwischen." So wie eine alte grüne Sitzecke. "Ein ganzes Krankenhaus war dort außer sich vor Freude, als es die Polstergruppe erhielt", berichtete Dr. Alemany den beiden "Allerhändlern" kurz vor dem nächsten Hilfstransport. Deshalb wird es diese (Second) Hand-in-Hand-Kooperation auch zukünftig geben. Zum Wohle aller Beteiligten. - mg
Spendenkonto: - Csilla von Boeselager Stiftung, Osteuropa-Hilfe e.V., Nr. 33332, BLZ 46650005, Sparkasse Arnsberg-Sundern.
Freitag, 10. Dezember 2004 | Quelle: Ruhr Nachrichten (Bottrop)

11.12.2004 / WAZ-LOKALAUSGABE / BOTTROP

"Es gibt nichts, das ich nicht verwenden kann"
Dr. Elisabeth Alemany setzt sich für Osteuropa-Hilfe ein

Wozu braucht der Mensch einen Teppich? Er ist dekorativ, antworten die Freunde gediegener Wohnkultur. Er dient der Wärmedämmung, antwortet die praktisch denkende Dr. Elisabeth Fessl de Alemany. Sie kennt in Rumänien, Jugoslawien oder der Ukraine Dutzende von kalten Orten, wo nackte Füße auf den Teppich warten.Dr. Alemanys Eingreifen im Zeichen der Osteuropa-Hilfe verhalf vielen ausrangierten Gegenständen zu einer zweiten Karriere im Ausland. Als Nachschub-Basis und Warenlager dient der ehemaligen Medizinern das Warenhaus "Allerhand aus zweiter Hand", vor einem Jahr von Inge Barth und Martina Peukert an der Gladbecker Straße 282 gegründet.
In den Räumen im Hinterhof wird ein repräsentativer Querschnitt durch die Wohn- und Esskultur der Nachkriegsjahre verwaltet; dort warten Gebrauchtwaren wie Möbel, Garderobe und Hausrat auf neue Besitzer oder Liebhaber.
Zum Service gehören auch Hausratsauflösungen, und bereits beim Sortieren erkennen die beiden Geschäftsfrauen, welche Dinge auf dem deutschen Gebrauchtwarenmarkt nicht mehr absetzbar sind - dann kommt die Osteuropa-Hilfe zum Zuge. Martina Peukert weiß, dass sie ein Service mit vier Tellern nicht ins Regal zu stellen braucht - unter sechs Exemplaren greift nach ihren Erfahrungen keine Sozialhilfe-Empfänger zu. "Wenn wir von Bedürftigkeit hier reden, dann ist das Jammern auf hohem Niveau, denn es ist nichts im Vergleich zu dem Elend, das Dr. Alemany sieht."

Bettpfannen oder Wolldecken, Schoko-Nikoläuse oder Küchenschränke: "Es gibt nichts, das ich nicht verwenden kann", stellt Dr. Alemany fest, die sich seit 15 Jahren für die Osteuropa-Hilfe der Csilla von Boeselager Stiftung engagiert und im ablaufenden Jahr mehr als 50 Lkw-Transporte organisiert hat. Zu ihren ehrenamtlichen Mitarbeitern zählt neben Ehemann Dr. med. José Alemany auch Wolfram Münzner, ehemaliger Leiter des Josef Albers-Gymnasiums: Nicht nur die zahlreichen gesellschaftlichen Kontakte des Bottroper Mediziner-Ehepaars stellt Elisabeth Alemany in den Dienst ihres Hilfsprojekts, sondern auch Wohnung und Garage, denn oft wird der Lagerraum knapp. Schließlich ist "Allerhand aus einer Hand" nur eine der Quellen des West-Ost-Warentransfers.
Auch Krankenhäuser geben gern ab, was nicht mehr westlichen Standards entspricht. Inge Barth ist beeindruckt vom Organisationstalent der 68-Jährigen: Die Opel-Werke in Bochum werden mit Ersatzteilen aus Ungarn beliefert. Seit Dr. Alemany entdeckt hat, dass ihre Laderäume auf dem Rückweg leer sind, werden die Lkw zu ihrem Wohnhaus umgeleitet und voll gepackt. Wenn sie dann in einem Obdachlosen-Asyl in der Ukraine oder einem Behindertenheim in Rumänien entladen werden, dann erfüllt sich auch der Wunsch vieler Bottroper, die glauben, dass ihre gebrauchten Waren etwas Besseres als die Müllhalde verdient haben.

Dr. Elisabeth Alemany ist dankbar für
Spenden oder einen Zuschuss zu den Transportkosten
(Sparkasse Arnsberg-Sundern, Konto-Nr. 33 332, BLZ 466 50005). Mls